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Muezzin-Ruf und z’Bätte-Lüüte

Kirche__MinarettAm 4. Oktober wird Franz von Assisi gefeiert. Der „Angelus“ ist indirekt eine Frucht seiner prophetischen Begegnung mit dem Sultan al Kâmil.

 

In unserer Kirche ist es Brauch, dreimal am Tag die ‚Angelus’ - Glocke zu läuten, welche zu einem kurzen Gebet einlädt. Dieser Brauch hat eine lange Tradition. Sein Ursprung liegt in der jüdischen Gebetskultur: „Ich preise dich siebenmal am Tag.“ (Ps.119).


Über die Wüstenväter ist sie zur Gebetspraxis von syrischen Mönchen geworden, die zu bestimmten Tages- und Nachtzeiten ihr ‚officium’ beteten. Vermutlich kannte Mohammed diese Praxis und hat wohl deshalb im Koran seinen Gläubigen fünfmal täglich ein Pflichtgebet (salât) vorgeschrieben, zu dem der Muezzin aufrufen soll.

Franz von Assisi und al-Kâmil
Als das christliche Heer bei Damiette gegen die Sarazenen kämpfte, begab sich Franz von Assisi 1219 in friedensstiftender Absicht zum Sultan Malik al-Kâmil. Nach seiner Rückkehr (1220/21) schrieb er an die Lenker der Völker: „Lasst Gottes Gegenwart in Eurem Volk alltäglich bewusst werden, indem Ihr jeden Abend durch ein Zei­chen alle aufruft, Gott dem Allerhöchsten Lob und Dank zu bringen.“ Damit knüpfte er an den Gebetsruf des Muezzins an. Die Franziskaner haben diese Idee verbreitet und der Papst hat 1571 diesen Brauch in der ganzen Kirche eingeführt. Beim Läuten einer ‚Bätt-glogge’ wurden die Gläubigen dreimal am Tag eingeladen, den ‚Angelus’ zu beten.

Franziskus hat aus seiner Islamerfahrung eine Tradition inspiriert, die uns bis heute über kulturelle und konfessionelle Grenzen hinaus verbindet. Was könnte uns denn besser helfen, als wenn Menschen unterschiedlichen Glaubens täglich auf ein „Zeichen“ hin zu ihrem Gott beten und ihm „Lob und Dank“ bringen?

Br. Gebhard Kurmann

 

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