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Liebe im Ja zu neuen Lebensabschnitten

KusterVonRohr NiklausDorothea CoverDas Gedenkjahr der Schweiz zum 600. Geburtstag von Bruder Klaus rückt auch Dorothea ins Licht - obwohl die reichen Quellen über den Landespatron nur am Rand von ihr sprechen. Die Ehefrau und Mutter blieb denn bis heute weitgehend im Schatten. Ausnahmen sind ein bewegendes Hörspiel von Klara Obermüller, ein schlanker Quellenband von Werner Huber (der auch die Verehrungsgeschichte einbezieht) und ein historischer Roman. Umso wacher zeigt sich das Interesse an der ersten "Doppelbiografie".

Keine zwei Monate nach der Vernissage halten die Autorin und der Autor die druckfrische Zweitauflage in der Hand. Was an Vorträgen, Workshops und Besinnungstagen in diesen Wochen immer wieder deutlich wird: schon damals verliefen Lebenswege in markanten Lebensabschnitten. Einmal gewählte Wege und zugesagte JA nahmen überraschende Wenden, Lebensgefährten verändern sich ungeahnt, die Zukunft muss neu gesucht, das Miteinander errungen und ein JA in neuer Form gelebt werden. Dorothea beeindruckt mit der Liebe, die immer wieder neue Formen für ihr JA findet.

Die Zweitauflage präzisiert die Erzählung auf Seite 80 und ergänzt die Anmerkungen in den Endnoten. Roland Gröbli, der aktuell beste Kenner von Bruder Klaus und seiner äusseren wie inneren Biografie, ist nicht überrascht vom Erfolg dieses Buches: Qualität setze sich durch und werde in der reichen Fülle an Neuerscheinungen über 2017 hinaus Verbreitung finden. 

Nicht alle Lesenden finden allerdings "Dorotheas Art", die Ehe-, Familien- und Ranftgeschichte zu erzählen, plausibel. Dazu einige Hinweise, die näher auf Ziel, Weg, Hindernisse, Grenzen und Chancen eines solchen Projektes eingehen:

Das Ziel des Buches ist es, eine Doppelbiografie über Niklaus und Dorothea zu schreiben und dabei der Hoffnung vieler heutiger Menschen zu entsprechen, die bedauern, dass man über die Ehefrau und Mutter so wenig spricht - oder wenn, dann in einem gelungenen Hörspiel, das allerdings fast mehr über Klara Obermüller als Dorothea verrät.

 

Die Hürde eines solchen Projektes ist die prekäre Quellenlage, die verständlich erklärt, warum die Ehefrau des Nationalheiligen so lange in seinem Schatten steht – übrigens auch in Gröblis germanistischer Doktorarbeit und in Pirmin Meiers historischem Wälzer: Von Niklaus sind ein paar 1000 Seiten Quellen gedruckt, von Dorothea einige wenige.

 

Der Weg beiden Hauptpersonen angesichts der Quellenlage vergleichbare Aufmerksamkeit zu geben, bot sich gleichsam in einer Notlösung: Dorothea zur Erzählerin zu machen und die ganze Ehe-, Familien- und Ranftgeschichte aus ihrer Optik zu beleuchten: selbst die vielkommentierten Visionen des Mystikers zeigen sich so in neuem Licht.

 

Die Auflage die wir uns selber setzen: historisch möglichst gewissenhaft und faktengestützt ein literarischfrei formuliertes Gesamtbild zu zeichnen, das plausibel erscheint: Zwei Dutzend Seiten Endnoten erlauben es, alle wesentlichen Inhalte zu überprüfen. Wichtige Puzzleteile zu Dorothea stammen aus den Fussnoten der Quellenbände!

 

Der Dialog zwischen Geschichte und Gegenwart, wahres Ziel der Historie als Lehrerin für heute, wird durch Dorotheas einen Adressaten garantiert: sie spricht über Erfahrungen im 15. Jhd. zu modernen Lesenden - und persönlicher zu ihrem Niklaus, der ebenfalls im Heute zuhört: Dank Jesus (Mk 12,26-27) glauben wir, dass Dorothea und Niklaus nicht bei den Toten sind, sondern uns vom Ziel aller irdischen Wege her im Blick haben, daher auch die Geschichte seither kennen, und uns aktuell in der Aktualität ansprechen können (nicht à la Ballenberg).

 

Die Grenze einer gut recherchierten und literarisch frei erzählten Familiengeschichte liegt darin, dass Dorothea nicht hypothetisch sprechen kann: „Mein jüngster Sohn starb vor mir, gerade mal ein Jahr Pfarrer in Sachseln, vielleicht an Lungenentzündung, vielleicht an...“ Was Historiker in einem Fachartikel in der Möglichkeitsform sagen würden, klänge aus Dorotheas Mund höchst seltsam. Wir mussten uns in solchen Fällen jeweils für eine der plausiblen Möglichkeiten entscheiden, und deklarieren dies entsprechend in der Endnote.

 

Das schreibende Duo freut sich über die so schnell erscheinende Zweitauflage hinaus am Elan einer Westschweizerin, die sich mit vollem Engagement auch an eine französische Version dieser bewegenden Geschichte macht. Und der Patmos-Verlag bereitet dazu mit speziellem Entgegenkommen an uns Helvetier die besten Wege!

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