Franziskanische Gemeinschaft

Aktuell

Nationales Treffen der Franziskanischen Gemeinschaften der Schweiz

MFL OFS Mattli 071Ende März kamen die Franziskanischen Laien im Mattli Antoniushaus zu ihrem 4. Nationalen Treffen zusammen. Rund 50 Menschen aus den drei Sprachregionen Tessin, West- und Deutschschweiz setzten sich intensiv mit dem Thema Zugehörigkeit auseinander und mit der Frage, wie eine gemeinsame, nationale Zukunft unter dem Dach des Franziskanischen Laienordens (OFS) gestaltet werden kann.

Grundlegendes Thema der zwei gemeinsamen Tage im Bildungshaus der FG Deutsche Schweiz war “Wo Dein Schatz ist, da ist auch Dein Herz” – basierend auf dem Zitat aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 6, 19-21).

Die Frage, woran denn mein Herz hängt, hat wesentlich mit der Frage zu tun, wem oder was ich mich zugehörig fühle. Und die Frage nach der Zugehörigkeit wiederum kann Schlüssel sein für die Zukunft. So mindestens sieht es Emanuela De Nunzio, die ehemalige Generalministerin des OFS, die am Generalkapitel 2008 darüber referierte.

Sie macht nach einer eingehenden Situationsanalyse der Gesellschaft drei wesentliche Dimensionen aus, die franziskanisches Menschsein im Heute prägen:

Personale Dimension (Innenleben):

Franziskanische Menschen leben grundsätzlich als Berufene: Sie sind Töchter und Söhne Gottes, Geschwister und Freunde Jesu‘ und Wohnung des Heiligen Geistes.

Franziskanisches Sein verwirklicht sich in einem ständigen neuen Werden und braucht in der spirituellen Ausprägung beständige Bildung und Weiterbildung.

Zwei Dimensionen spirituellen Wachstums sind für Franziskanische Menschen prägend: Tiefe und Weite. In Beziehung sein mit Gott durch vielfältige Formen des Gebets und der Kontemplation und in Beziehung sein auch mit Menschen – geschwisterlich und auf Augenhöhe.

Geschwisterliche Dimension (Gemeinschaft):

Franziskanische Spiritualität beruft in Geschwisterliche Gemeinschaft: Franziskanische Menschen prägt Gemeinschaftssinn, sie leben mitverantwortlich in Familie und Ordensgemeinschaft. Das bedingt ein aktives Interesse aneinander sowie persönliche Präsenz bzw. (An)teilnahme und äussert sich im gemeinsamen Gebet, in der Mitarbeit, der Aufgabenteilung und allgemein in der gegenseitigen Unterstützung.

Franziskanische Menschen öffnen sich für ein umfassendes Miteinander: in Sachen Zugehörigkeit zur Kirche, Ökumenischer Offenheit, im geschwisterlichen Unterwegssein mit anderen Religionen und auch in der Schöpfung.

Universale Dimension (Sendung / Mission):

Geschwisterlichkeit kann sich nicht in Binnenwelten bewegen oder sich in

geschlossenen Kreisen genügen: Alle Gläubigen sind gesendet bzw. zur Mission gerufen.

Mission bedeutet in diesem Fall das Evangelium glaubwürdig in der heutigen Welt leben.

Sendung bedeutet in diesem Sinne auch weltweite Solidarität: Soziale Realität und Evangelium müssen aufeinander bezogen sein. Gefragt sind Konkrete Interventionsformen, wie:

Sozio-politische Bildung, Freiwilligenarbeit, Sorge für die Jugend, Ökologische Sensibilisierung, gelebte Ökumene und Interreligiöser Dialog.

„Zugehörigkeit“ mit Blick auf den Franziskanischen Laienorden (OFS)

In seinem Vortrag hat Attilio Galimberti das Thema Zugehörigkeit vertieft beleuchtet, insbesondere mit Blick auf den Franziskanischen Laienorden, den Ordo Franciscanus Saecularis (OFS).

Um Zugehörigkeit überhaupt definieren zu können, ist es notwendig, sich klar zu werden über die Natur und die Identität des OFS. Drei Kernelemente sind dabei massgebend: Die geschichtliche Entwicklung, die Intention seines Gründers und darin aufscheinend die göttliche Inspiration. Die Ordensgemeinschaft der Franziskanischen Laien hat eine einzigartige religiöse Prägung. Sie orientiert sich am Apostolischen Leben und ist gleichzeitig darauf ausgerichtet, alle Lebensweisen mit einzuschliessen, mit einem eigenen, gemeinschaftsbildenden Charisma.

In den Laienorden eintreten und die Berufung auszudrücken, bedeutet eine Aufgabe, die das ganze Leben durchwirkt und miteinschliesst.

Franziskanische Menschen verpflichten sich als Mitglied der weltweiten franziskanischen Familie in den eigenen weltlichen Lebensumständen Antwort zu geben auf den Ruf der Nachfolge Jesu. Sie sollen in unterschiedlichen Formen gemäss einer sozialen Verpflichtung leben, die ihren Kern in der Kirche hat und eine authentische Dimension des weltlichen Lebens spiegelt. Diese soziale Verpflichtung gehört sozusagen zur franziskanischen DNA. Als in der Welt Lebende sollen sie die ersten Akteure sein in Sachen soziales Handeln.

„Zugehörigkeit“ mit Blick auf eine mögliche Nationale Gemeinschaft der Franziskanischen Laien in der Schweiz

Aktuell sind die Franziskanischen Laienbewegungen in den drei Landesregionen Tessin, Westschweiz und Deutschschweiz unterschiedlich organisiert. Das Tessin ist dabei als Region in den OFS Italien integriert, die Deutschschweiz gilt als so genannte „aufstrebende Nation“ und ist zwar Mitglied des OFS aber ohne Stimmrecht. Und die Westschweizer Bewegung Mouvement Franciscaïn Laic (MFL) ist vereinsrechtlich organisiert mit einer starken Anbindung an die Kapuziner.

Der so genannte Dritte Orden, eben der OFS, könnte alle drei Bewegungen in einer Nationalen Einheit vereinen. Dazu sind strukturelle Anpassungen nötig und Schritte, die uns auch ideell und kulturell näher zueinander führen.

Das bedingt noch eingehendere Auseinandersetzung mit- und unter einander und den Willen, gemeinsam nach Wegen in die Zukunft zu suchen.

Diesem Willen haben die Teilnehmenden am Treffen im Mattli eindrücklich Ausdruck gegeben. Allen Beteiligten ist es wichtig, auf diesem Weg fortzuschreiten und Geschwisterlichkeit nicht nur zu predigen, sondern auch dann zu leben, wenn es anspruchsvoll wird. Drei Regionen – drei Sprachen – drei Kulturen: Was die Schweiz als Nation prägt, ist auch für die Franziskanische Laienbewegung Kernelement. Wir leben unsere Berufung ausserdem in einer Offenheit und in einer Freiheit, die wir uns bewahren wollen. Institutionelle bzw. kirchenrechtliche Strukturen sollen auch in dieser Beziehung dem Leben dienen, nicht umgekehrt. Vielleicht haben wir da in Sachen Ordenszukunft eine prophetische Aufgabe. Auf jeden Fall fühlen wir uns von Klaras Worten angesprochen, die wir in den beiden Tagen immer wieder gesungen haben: Zu Grossem sind wir berufen, Spiegel des Lichtes zu sein. Drum lasst uns Gott lobpreisen und den Menschen Gutes tun.

Nadia Rudolf von Rohr

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