Franziskanische Gemeinschaft

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Zum Festtag des heiligen Franziskus

Franziskus CimabueFestpredigt zur Transitus-Feier in der Kapuzinerkirche in Olten

Am 4. Oktober feiern wir den Todestag des heiligen Franziskus.
Feiern – Fest – Tod – das geht normalerweise nicht einfach so zusammen! Wie kommen wir überhaupt dazu, das Sterben eines Menschen, und dann noch eines so einzigartigen, zu feiern?

Vielleicht darum, weil Franziskus in den Augen der Menschen damals einer war, der es geschafft hat. Er hat sein Leben so gelebt, dass man überzeugt war, dass er bei Gott ewiges Leben gewonnen hat. Dass er gestorben ist, hat darum nicht bedeutet, dass er einfach für immer gegangen ist und man deswegen hätte traurig sein müssen, sondern, dass er angekommen ist – angekommen an dem Ort bei Gott, an dem ein ewiges Festmahl auf uns alle wartet. Und das ist ein Grund, sich zu freuen: Für Franziskus, dass ihm das vergönnt ist, aber auch für uns, die wir glauben und hoffen dürfen, dass an diesem Tisch des Herrn auch für uns ein Platz frei ist.

Allerdings müssen wir zu diesem Platz ein wenig Sorge tragen. Wer an diesem Tisch Platz nehmen will, der muss sich zu benehmen wissen. Ich habe noch meine Eltern im Ohr, die uns jeweils, als wir noch Kinder waren, ermahnten: Wenn Dir nid aständig töit, chöit dir zu de Söi go ässe!

An Gottes Tisch geht es allerdings ja nicht einfach nur um Tischmanieren, sondern vielmehr darum, als was für ein Mensch ich mich zu Lebzeiten erwiesen habe.

Im heutigen Evangelium vom barmherzigen Samariter geht es genau darum.

Da fragt einer Jesus: Was muss ich tun, damit ich in den Himmel komme, ewig leben darf,

eben am Festmahl bei Gott teilnehmen kann?

Und die Antwort, die er grad selber liefert, weil sie ja im Gesetz geschrieben steht, heisst: Wir sollen Gott lieben und unseren Nächsten wie uns selbst!

Es braucht also nicht nur eine Sache, sondern grad deren drei, die wir beherzigen sollen:

Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe.

Erst in diesem Dreiklang kann Leben wirklich gelingen.

Das hat Franziskus in seinem Leben ganz tief, sehr schmerzlich aber auch wunderbar
beglückend erlebt. In einer tiefen Krise nach Kriegsgefangenschaft und schwerer Krankheit musste er zunächst einmal zu sich selber finden, musste erkennen, dass er nicht einfach so weitermachen kann wie bisher und dass es einen Bruch gibt in seinem Leben, der sich nicht wieder kitten lässt.

Er fing an zu suchen, wo sein Lebensweg denn entlang führen, welchen Sinn sein Leben zukünftig machen könnte. Und Franziskus‘ erster Schritt war, dass er angenommen hat, wie es um ihn steht: Gottverlassen, einsam, gebrochen und ohne Perspektive. Er hat sich selber erkannt und akzeptiert, wie es ist. In dieser Zeit hat er das Beten neu entdeckt: „Du, lichtvoll über allem, erleuchte die
Finsternis meines Herzens...“ sind uns seine Worte an Gott überliefert.

In seiner Einsamkeit und Ausweglosigkeit, ganz auf sich selber zurück geworfen, bekommt Franziskus einen anderen Blick auf seinen Nächsten. In seinem Falle sind das die Aussätzigen von Assisi. Die Menschen, die jedes Recht auf Gemeinschaft verloren haben, die ausgestossen und an den Rand gedrängt ihr Dasein fristen, die Menschen, mit denen niemand etwas zu tun haben will.

Später sagt Franziskus: In der Begegnung mit ihnen, diesen Aussätzigen, ist mein Herz wieder erwacht.

Und erst das macht möglich, dass er auch zu einer ganz anderen Gottesliebe findet.

Er, der die Hälfte seines Lebens gelebt hat, als ob es Gott nicht gäbe, er entdeckt Gott ganz neu. Nicht hoch oben und weit weg thronend über allem, sondern ganz nah, auf Augenhöhe und mit offenen Armen, offenen Ohren und einem offenen Herzen.

Das ändert für Franziskus alles. Von jetzt an ist Gott für ihn Freund, ja Geliebter sogar und Vater im Himmel. Und wenn er Vater ist von allen Geschöpfen, dann sind uns Menschen auch alle Geschöpfe Brüder und Schwestern.

Dann kann man nicht an einem vorbeigehen, der halbtot im Strassengraben liegt, oder
kilometerweise mit nichts als den eigenen Kleidern am Leib vor dem Krieg zu uns geflüchtet ist,
der aus lauter Verzweiflung sein eigenes Leben riskiert, weil es zuhause keine Zukunft mehr gibt. Und dann kann man auch nicht weiterhin einfach Strom und Wasser und Essen und Wohnraum verschwenden, als ob uns die Erde und die Sorge für sie nichts anginge.

 

 

Wer ist unser Nächster?

Diese Frage, die geht auch an uns - dringender denn je.

Und die Aufforderung Jesu‘: Geh auch Du und handle ebenso!

 

Franziskus kann uns ein Vorbild sein, wie das gehen könnte.

Und das feiern wir am 4. Oktober auch: Dass er einer war, der uns voraus ging und uns einen
Weg zeigte, wie wir uns würdig erweisen können, dann einmal auch am Tisch des
Herrn zu sitzen und teil zu haben an diesem ewigen Festmahl im Himmel.

 

Amen

 

(Nadia Rudolf von Rohr)

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