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Recht auf Lüge und Besitz der Wahrheit?

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"Wie bitte? vor Gericht darf man lügen?" Unsere Rechtsprechung zwingt weder Angeklagte noch Anwälte, sondern einzig Zeuginnen und Zeugen, "die Wahrheit, die ganze und einzig die Wahrheit zu sagen"? Und auch Richterinnen und Richter würden meist keine objektive Wahrheit finden, sondern müssten und dürften die Beweislage nach ihrem Ermessen, das heisst subjektiv würdigen!! - Solche Einsichten der Mattli-Tagung zum Thema Wahrheit könnten ernüchternd sein und unterstreichen zugleich das Abenteuer menschlicher Wahrheitssuche.

Ähnliche Überraschungen gab es auch in den anderen Workshops: beim Ethiker, beim Naturwissenschaftler, bei der Medienfrau und beim Medium, und auch beim Bibliker, der zwei einander konträre Bibelseiten aus derselben Zeit um 400 v.Chr. präsentierte: einen ausgeprägt fremdenfeindlichen und einen sehr fremdenfreundlichen, die geichermassen in der Heiligen Schrift stehen. Niemand besitzt die Wahrheit, jede wahre Religion sucht sie "pilgernd", hat Papst Benedikt XVI. 2011 in Assisi gesagt, wo sich die Welt- und Religionen zum dritten Mal auf höchster Ebene trafen. Das Motto jenes Treffens hat zu einer spannenden Tagung ins Mattli geladen.Teilhehmende stimmten sich mit einer "franziskanischen Galerie" auf die Thematik ein, die Pioniere aus acht Jahrhunderten vorstellte:

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 Wer besitzt Wahrheit? Religionen, Philosophien, Wissenschaften? Was die Ausschreibung versprach, wurde an einer überaus intensiven, ernsthaften und zugleich geistvollen Tagung vielseitig beleuchtet und vertieft:

Jeder echt religiöse Mensch und jede Glaubensgemeinschaft seien suchend unterwegs – Pilgerin zu Wahrheit und Frieden, sagte Benedikt XVI. am jüngsten Treffen der Welt- und Naturreligionen in Assisi. Und doch finden wir Wahrheiten, aus denen wir unser Leben gestalten: wahre Liebe, tragende Werte, verlässliche Erkenntnisse, bewährte Sozialformen. Jeder wählt seine Lebensform: „das Wahre" für sich, und sucht wahrhaft zu leben. Wahrheit ist zunächst subjektiv und damit relativ. Weil uns das nicht reicht, treibt sie uns an, auf der Suche zu bleiben nach einer grösseren Wahrheit. Wie soll der Durst nach einer umfassenden Wahrheit umgehen mit Instanzen, die sich ihr verpflichtet fühlen: Religionen, Kirchen, Philosophien, teilweise auch Naturwissenschaften, Medien und politische Ideologien?

Wer erkannte und erfahrene Teilwahrheiten verknüpft, kommt der Wahrheit näher: Die unterschiedlichen Fachleute aus Religion, Medien und Wissenschaften haben Wege aufgezeigt, das Erforschen der Natur, das Interpretieren des Weltgeschehens, das Aufklären dunkler Vorgänge in unserer Gesellschaft, das Interpretieren Heiliger Schriften, das achtsame Schauen hinter die sichtbare Wirklichkeit und das Ringen um wahre Werte so zu gestalten, dass das persönliche und gemeinsame Leben an Vertrauen und Sicherheit gewinnt. Eine gemeinsame Erkenntnis war sich darin einig, dass sich keine „Wahrheit“ gewaltsam und respektlos durchsetzen lässt. Wer Wahres pilgernd sucht, bleibt auf dem Weg und lernt von allen anderen, die ebenso suchen, auf dem je eigenen Weg. Und das waren an der Mattlitagung Menschen verschiedener Generationen und Lebensweisen:

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